Komplexität braucht einen Ankerpunkt
Updated: Sep 18
Enterprise 3Dfindit ist eine Businesslösung von CADENAS GmbH für strategisches Teilemanagement. Es funktioniert ähnlich wie ein Asset-Management-System zur Organisation der CAD-Teile im Team oder im gesamten Unternehmen. Die Enterprise-Vertriebsabteilung wollte ein inspirierendes und motivierendes Video mit einer Länge von 90 Sekunden.
Kurzfassung:
Der Vertrieb wollte alle Funktionen von Enterprise 3Dfindit in einem kurzen Video zeigen. Damit geriet ich in ein Spannungsfeld: Zu viele Funktionen hätten die Betrachter*innen überfordert, eine zu starke Reduktion hätte die Kolleg*innen im Vertrieb verschreckt, wegen einer Sorge, dass die Funktionen dadurch weniger sichtbar seien. Ich habe deshalb eine Struktur gesucht, die alle Funktionen einbindet, aber trotzdem Orientierung bietet.
Vorgabe: Der Vertrieb wollte alle Funktionen von Enterprise in einem kurzen, modernen Video zeigen.
Konflikt mit den Betrachter*innen: Zu viele Funktionen nebeneinander hätten die Orientierung im Video gekostet.
Konflikt mit dem Vertrieb: Die Kolleg*innen sahen in einer Reduktion oder Priorisierung zunächst eine Benachteiligung der Funktionen, für die sie zuständig waren.
Lösung: Ich habe mit einem Anker-Element eine Struktur entwickelt, die alle Funktionen einbindet, ohne dass sie einzeln durchgegangen werden mussten.
Ergebnis: Das Video wird seit über zwei Jahren aktiv in Vertriebsgesprächen eingesetzt.
(Kurzfassung mit KI generiert)
Ein Video für alle Funktionen von Enterprise?
Die Produktkommunikation im Vertrieb war in dem Unternehmen historisch gewachsen und dadurch nach meinem Eindruck rigide und etwas altmodisch geworden. In dem kurzen Video sollten alle Funktionen von Enterprise wie üblich vorkommen, was ich in dem Umfang für die Betrachter*innen für problematisch hielt. Wie sollten Ingenieur*innen durch eine Aneinanderreihung von isolierten Features den Bezug zu ihrer Praxis herstellen? Um das Interesse der Betrachter*innen zu erhalten und zu leiten, sollte Komplexität tendenziell reduziert und geordnet werden. Das implizierte für die Kollegen, dass einige Funktionen gekürzt und geopfert werden müssten, was tatsächlich nicht zwingend sein musste.
Zwei Parteien, ein Video
Die Herausforderung bestand hier also nicht nur darin, in dem Video die Komplexität des Produktes einzufangen und es für zeitgemäße Sehgewohnheiten zu produzieren. Sondern ich war auch mit Change-Management im Vertrieb konfrontiert, weil die Kolleg*innen sich über Jahre ihr System zurechtgelegt haben und weshalb das Video nicht zu fremd erscheinen durfte.
Ich produziere Videos in erster Linie für Betrachter*innen, doch gleichzeitig suche ich stets nach Chancen die Bedürfnisse der Auftraggeber*innen konstruktiv zu integrieren.
Ein greifbares Element als Ankerpunkt
Ich habe die Funktionen analysiert und konnte dabei besonders das Ampelsystem identifizieren. Es zieht sich durch die komplette Oberfläche und konnte damit als Orientierungslinie zu Beginn des Videos dienen. Nicht nur in dem Video, sondern auch in der Praxis zeigt diese farbige Leuchte an, ob ein Teil eingesetzt werden kann oder nicht. Diese Lösung spricht Ingenieur*innen und Teamleiter*innen direkt an, da ohne eine solche Funktion bekannte, zähe Verwaltungsprozesse und doppelte Käufe entstehen können. Mit einer solchen Funktion löst sich der Overhead auf und man muss dabei noch nicht einmal die Software wechseln. Ein greifbarer Mehrwert.

Für die Anwender*innen und Entscheider*innen hat sie also direkte Relevanz und war daher eine passende Option als Ausgangspunkt. Die meisten weiteren Funktionen (Vorzugskataloge, ERP-Anbindung, Lagerbestände...) erscheinen dabei peripher, aber in ihrem direkten Umfeld und sind dadurch im User Interface verortbar.
In einer Besprechung zu dem Vorschlag gab es zu der Idee zuerst Zähneknirschen, weil es wie eine Benachteiligung der anderen Funktion wirkte. Ich erklärte, dass die Wertung einer Funktion sowie die Kaufentscheidung im Anschluss gar nicht in dem Video, sondern in den Vertriebsgesprächen stattfindet. Das Video ist ein Einstiegspunkt, und das Ampelsystem dient in dem Überblick der Oberfläche als narratives Vehikel. Gerade das ermöglichte es uns alle weiteren Funktionen zu integrieren.
Was ich im Nachhinein anders sehe
Das Intro ist im Nachhinein ein Zugeständnis, was ich heute anders lösen würde. Ich dachte es ist zwingend nötig, das Problem der vollen Server zu etablieren und ich wählte eine Abstrahierung, die für Kolleg*innen aber zu weit hergeholt war. Mir ist später dann aufgefallen, dass das Video auch ohne das Intro klappen würde. Seitdem prüfe ich schärfer, ob ein Abschnitt wirklich essenziell für das Video ist, oder nicht und kürze mutiger.
Zwei Jahre später
Im Laufe der zwei Jahre nach der Produktion des Videos habe ich von dem Kollegen viel Feedback erhalten, dass es in den Vertriebsgesprächen ständig genutzt wird und einen guten Einstieg in das Gespräch schafft. Die Akzeptanz intern war also gegeben und half den Nutzer*innen bei der Orientierung über die Produktfunktionen.



Comments